Der Förderverein St. Trinitatis stellt sich vor

Sanierung der St. Trinitatiskirche Ruhla - Der Förderverein St. Trinitatis stellt sich vor


Ausgangszustand

Die St. Trinitatiskirche Ruhla wurde 1680 bis 1685 erbaut. Die Kirchweih fand 1686 statt. Die Kirche wurde bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in das Eigentum der Stadt Ruhla übergeben. Sie ist aber nach wie vor noch geweiht.
Zu DDR- Zeiten wurde im Hauptschiff das Kirchengestühl entfernt und durch Einbauten eine kleinere Festhalle für Trauerfeiern geschaffen. Dadurch war im gesamten Gebäude die Luftzirkulation nicht mehr gewährleistet. Die restliche Instandhaltung wurde ebenfalls vernachlässigt.

Als die Stadt Ruhla nach der Wende im Jahr 1996 mit den Sanierungsarbeiten begann, war die Kirche in einem desolaten Zustand. Das Dach drohte einzustürzen, die Mauerkrone hatte sich stark verformt und der echte Hausschwamm hatte sich im Gebäude ausgebreitet.
Um mit den Sanierungsarbeiten überhaupt beginnen zu können, musste ein stabiles Stützgerüst, welches die gesamte Last der Dachkonstruktion aufnehmen konnte, eingebaut werden.
Die eigentliche Sanierung begann dann im Jahr 1997. Da nach den ersten Bestandsaufnahmen abzusehen war, dass die Rekonstruktion der Kirche ein umfangreiches Vorhaben werden würde, welches viel Zeit und Geld beansprucht, wurde von dem damaligen Bürgermeister Gerald Pietsch angeregt einen Förderverein zur Erhaltung dieser für Ruhla so wichtigen Kirche zu gründen.
Am 14.09.1997 wurde somit der Förderverein St. Trinitatis e.V. mit zunächst 22 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.
Der Förderverein hat sich in seinen Statuten verpflichtet, durch Eigenleistungen, Einwerben von Spenden und Fördermitteln und durch die Organisation von Veranstaltungen die Sanierung der Kirche zu begleiten und voranzutreiben, sowie einer vielfältigen und sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Sanierungsmaßnahmen

Bisher:

In 11 Bauabschnitten wurden u.a. folgende Hauptarbeiten durchgeführt:
• Sicherung des gesamten Mauerwerkes des Hauptgebäudes und nachhaltige Bekämpfung des echten Hausschwammes
• Aufarbeitung des gesamten Dachstuhles, Ergänzung defekter Bauteile
• Dach komplett neu eindecken
• Teilweise Aufarbeitung der Bleiverglasung
• Komplette Erneuerung der Elektroinstallation im Kirchenschiff
• Errichten eines modernen Anbaues zur Aufnahme von Toiletten, kleiner Garderobe und Technikräumen zur Installation einer modernen Heizungsanlage.
• Einbau einer Fußbodenheizung
• Verlegung eines Fliesenbodens im gesamten Kirchenschiff
• Ergänzung defekter und fehlender Holzverkleidungen einschl. defekter Treppenteile im Innenbereich
• Gesamte Farbgestaltung im Innenbereich
• Einbringen der wichtigsten Leuchtmittel
• Anschaffung der notwendigen Bestuhlung ( 150 Stühle und 20 Tische )

Mit diesen Maßnahmen wurde die Sanierung der Trinitatiskirche 2013 in den wesentlichen Bestandteilen abgeschlossen.
Finanziert wurden die genannten Leistungen durch die Stadt Ruhla, den Wartburgkreis, das Land Thüringen ( Städtebau/ Denkmalpflege ), den Bund, die EU und nicht unerheblichen Mitteln des Fördervereins St. Trinitatis, sowie zahlreichen Spenden von Bürgern der Stadt Ruhla, Vereinen, Firmen und kulturinteressierten Besuchern.
Die Baukosten betrugen bisher rund 2,1 Mio. Euro.

Weitere Aufgaben:

• Sanierung der historisch wertvollen Knauf- Orgel
• Sanierung der Kanzel als zentraler Bestandteil der Kirche
• Abschließende Elektroinstallation im Bereich des Turmes
• Einbringung der noch fehlenden Leuchtmittel auf den Emporen
• Anschaffung einer Audio- Verstärkeranlage für Veranstaltungen

Engagement des Fördervereines

Der Förderverein St. Trinitatis hat inzwischen 39 Mitglieder. Der Verein hat sich in den 16 Jahren seines Bestehens kontinuierlich mit den vielfältigsten Aktivitäten für die Fortführung der Sanierung und die Nutzung der Kirche eingesetzt. Die in den Veranstaltungen und Spendenaktionen eingenommenen Gelder fließen fast ausnahmslos als Eigenmittel in die Sanierung der Kirche. Hier die wichtigsten Veranstaltungen, die bisher zum großen Teil trotz Baustelleneinrichtung und Einrüstungen stattfanden:

• Projekt "Schwamm raus- Kultur rein" - unter diesem Motto werden seit 1997 alljährlich zum Denkmaltag an 2 Tagen vielfältige kulturelle Veranstaltungen als "Köhlergassenfest" im Wesentlichen als Benefizveranstaltungen durch den Verein organisiert. Hierbei treten lokale Künstler und Gruppen aber auch Künstler aus ganz Deutschland und dem Ausland in unserer Kirche auf.
Gleichzeitig wurden jedes Jahr die unterschiedlichsten Ausstellungen aus Geschichte Kultur und Kunst der Region gezeigt, welche von den Gästen zahlreich besucht wurden.
Für das leibliche Wohl der Gäste sorgen dabei wiederum die Vereinsmitglieder mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee im "Trinitatiskaffee" sowie Getränken und kleinem Imbiss.
Dabei konnten sich die Bürger Ruhlas auch immer wieder von den Sanierungsfortschritten überzeugen, welche häufig mit großer Begeisterung aufgenommen wurden.
Bei den Veranstaltungen traten über die Jahre unter anderem die Sängerin Karin Oehler, die Gruppe "b-flat", die "Classic- Dixi- Brothers, der Kabarettist Christoph Sieber, Die Tanzgruppe "Corazon Flamenco", Alexander Blume mit seinem Jazztrio, das Vokalensemble "Nonett Musica Son" aus den Niederlanden, eine russische Folkloregruppe und das Salonorchester Meiningen auf.

• Seit 2009 findet alljährlich eine Adventsveranstaltung als Dankeschön für all die vielen Helfer, Unterstützer und Geldgeber statt. Diese wird wiederum organisiert und ausgestaltet von den Vereinsmitgliedern. Häufig beteiligten sich dabei auch Kinder und Jugendliche aus Kindergarten, Grundschule und Gymnasium mit bunten Programmen.

• Auf Betreiben des Trinitatisvereines gibt es seit 2011 einmal im Jahr die "Ruhlaer Kirchennacht" ( RUKINA ). An dieser Veranstaltung nehmen alle 4 Ruhlaer Kirchen teil und öffnen ihre Häuser für alle interessierten Besucher für umfangreiche kulturelle Veranstaltungen.
Das Motto dieser Veranstaltung ist "Miteinander reden und nicht übereinander". Dabei hat es schon viele interessante überkonfessionelle Gespräche und Begegnungen gegeben.

• 2013 war die Trinitatiskirche einer der Austragungsorte der "Lux- Festspielwoche", die zu Ehren des Ruhlaer Kantors und Komponisten Friedrich Lux erstmals durchgeführt wurde. Dabei gab es mehrere Veranstaltungen mit hochkarätigen deutschen und internationalen Künstlern, die Werke von Lux und bekannten Komponisten seiner Zeit einem großen interessierten Publikum zu Gehör brachten.
Auch hier waren die Vereinsmitglieder unterstützend tätig und haben sich um die Ausgestaltung der Kirche und die Versorgung und Betreuung der Gäste gekümmert.
Die Festspiele fanden auch überregionale Beachtung und sollen zukünftiger fester und regelmäßiger Bestandteil im kulturellen Leben Ruhlas und der Region werden.

Weitere Aktivitäten des Vereins:

• Die Spendenaktion "Paten für die Bleiverglasung Windfang" wurde vom Verein durchgeführt und brachte 17.000 € ein, womit die Restaurierung der Fenster ermöglicht werden konnte.

• Die Spendenaktion " Frischer Wind für alte (Orgel-) Pfeifen" wurde 2008 ins Leben gerufen. Hier kann jeder Spendenwillige eine Patenschaft über eine der über 2000 Orgelpfeifen übernehmen. Jeder Spender bekommt einen Patenbrief. Bisher konnten ca. 24.700 Euro gesammelt werden.

• 2012 konnte ein guter gebrauchter Konzertflügel, welcher überarbeitet wurde, ebenfalls aus Spendengeldern angeschafft werden. Er steht jetzt dauerhaft für Konzerte und musikalische Veranstaltungen in der Kirche zur Verfügung.

• Ein Nutzungskonzept der Kirche wurde 2008 nach einer Podiumsdiskussion auf den Weg gebracht. Es enthält die wichtigsten Eckpunkte für die weitere zukünftige Nutzung der Kirche als multifunktionale Begegnungsstätte für die Bürger und Vereine der Stadt Ruhla aber auch für Veranstaltungen der örtlichen Schulen und des Gymnasiums.

• Ein Nutzungsvertrag für die Kirche wurde 2009 mit der Stadt Ruhla und dem Förderverein geschlossen.

• Mit Eigenmitteln und privaten Spendengeldern wurde durch den Verein eine Vielzahl weiterer Maßnahmen wie Anbringung von Absturzsicherungen in den Fensternischen der Emporen, sowie die Decken- und Bühnenbeleuchtung erbracht.
Der Verein beteiligte sich weiterhin mit Eigenmitteln in Höhe von 26.000 € an dem Anbau des Nebengebäudes sowie mit 10.000 Euro an der Anschaffung der Möblierung.

• Die Einrichtung der Küche und des Thekenbereiches wurde ebenfalls nach Aktivitäten des Vereins durch ein ortsansässiges Küchenstudio gesponsert.

• Mitglieder des Vereins haben sich auch aktiv durch Arbeitseinsätze in und um die Kirche beteiligt, so z.B. immer wieder bei der Beseitigung von Bauschutt und der nachfolgenden Reinigung zwischen den einzelnen Bauabschnitten und Gewerken, Verlegung von Stromkabel für die Außenbeleuchtung und Putz- und Malerarbeiten im Innenbereich. Für letzteres kamen allein ca. 300 Stunden zusammen.

• Ein wichtiger Punkt unserer ehrenamtlichen Tätigkeit ist nicht zuletzt der Erfahrungsaustausch mit anderen Fördervereinen. Wir treffen uns einmal im Jahr mit Vereinen, die sich ebenso wie wir die Aufgabe gestellt haben, ein denkmalgeschütztes Objekt zu erhalten.
Wenn auch im Wesentlichen die finanziellen Mittel eine große Rolle spielen, so können wir immer wieder feststellen, dass es darüber hinaus noch viele Wege und Möglichkeiten gibt, das gestellte Ziel zu erreichen. So können wir nach jedem Treffen
interessante Anregungen mit nach Hause nehmen. Wenn auch manches Mal die Aufgaben unlösbar erscheinen, gibt es immer wieder Menschen, die sich diesen Herausforderungen stellen und nicht aufgeben.
So können wir aber auch im direkten Vergleich mit ähnlichen Projekten feststellen wie weit wir mit unseren Bemühungen bereits vorangekommen sind, was uns mit Stolz erfüllt und immer wieder motiviert mit Elan und neuen Ideen an die noch vor uns liegenden Aufgaben zu gehen.

• Der Förderverein St. Trinitatis wurde für sein Engagement und seine umfangreichen Aktivitäten zur Erhaltung und Nutzung der St. Trinitatiskirche im Jahr 2011 mit dem Denkmalpreis des Wartburgkreises ausgezeichnet.

• In diesem Jahr konnte neben den Veranstaltungen des Vereins zum Denkmaltag auch die Übergabe des Denkmalschutzpreises des Wartburgkreises durch den Landrat in der Trinitatiskirche in einem feierlichen Rahmen stattfinden. Insgesamt fanden 2013 in der Kirche 27 kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen statt.

• Neben den Vereinen und der Stadt Ruhla nehmen inzwischen auch die Schulen die Trinitatiskirche gern für ihre schulischen und kulturellen Aktivitäten in Anspruch.

Ausblick und zukünftige Aktivitäten des Fördervereins

Inzwischen kann man sagen, dass die Trinitatiskirche wieder ein fester integraler Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt Ruhla geworden ist und nach jahrelanger Vernachlässigung wieder in den Focus der Bürger gerückt ist.
Viele Ruhlaer identifizieren sich wieder mit "ihrer" Trinitatiskirche. Das belegen auch vielfältige Veranstaltungen, die gerade in den letzten beiden Jahren außerhalb der Vereinsaktivitäten noch zusätzlich stattgefunden haben, wie z.B.
• Das jährliche Muttertags- und Adventskonzert des Musikvereines Erbstromtal
• Theateraufführungen des Gymnasiums
• Konzerte des Gymnasiumchores
• Neujahrsempfang des Bürgermeisters
• Diverse Veranstaltungen des Lux- Vereins außerhalb der Festspiele
• Ausstellung und Vortrag zur historischen Entwicklung der Uhrenproduktion in Ruhla

Dennoch stehen für die nächsten Jahre noch zwei weitere wichtige Punkte auf der Agenda des Vereines:

Sanierung der Knauf- Orgel:

Die Knauf- Orgel ist ein wichtiger kulturhistorischer Bestandteil der Trinitatiskirche. Bereits 2004 wurde der Sanierungsauftrag durch die Stadt Ruhla an den Orgelbauer Kutter vergeben. Ein restauratorisches Gutachten und Sanierungskonzept liegen vor.
Die Bestandteile der Orgel wurden zunächst ausgebaut und gesichert. Auf Grund fehlender Mittel und Wegfall von Fördermaßnahmen konnten weitere Arbeiten nicht beauftragt werden. Zwischenzeitlich wurde die bereits erwähnte Spendenaktion "Frischer Wind für alte (Orgel-) Pfeifen" vom Verein ins Leben gerufen.
Für einen 2. Und 3. Abschnitt konnten 2010 und 2012 mit einem finanziellen Umfang von insgesamt 40.000 Euro die Fortführung der Sanierungsmaßnahmen beauftragt und abgeschlossen werden.
Das große Ziel des Vereins ist es, im Jahr 2016, zur 330- Jahrfeier der Kirche, die Orgel wieder im altem Glanz und frischem Klang der Öffentlichkeit vorzustellen.
Um das zu erreichen, sind weiterhin noch mehr als 100.000 Euro notwendig.
Da sich der Verein seit 1997 bis zum heutigen Zeitpunkt mit 110.000 Euro an der Sanierung der Kirche beteiligt hat, ist der Einsatz von weiteren Eigenmitteln z.Zt. nur in begrenztem Umfang möglich, weshalb die weitere Einwerbung von Spenden- und Fördermitteln das Hauptanliegen des Vereins für die nächste Zeit sein muss.

Sanierung der Kanzel:

Ein weiterer optischer und historischer Mittelpunkt der Kirche ist zweifellos die Kanzel. Sie war ein Geschenk des Herzogs Friedrich des 1. von Sachsen Gotha während der Bauphase im ausgehenden 17. Jahrhundert und war ursprünglich für die Kapelle des Schlosses Friedenstein in Gotha bestimmt. Sie ist mit reichhaltigen vergoldeten Verzierungen und 5 Aposteln ( z.Zt. eingelagert ) ausgestattet.
Um die Kanzel in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder erstrahlen zu lassen und den Gesamteindruck der Kirche final abzurunden, sind weitere Mittel in 6-stelliger Höhe notwendig.
Auch hier will sich der Verein aktiv einbringen, um Spenden- und Fördermittel bereitzustellen. Die Finanzierungspläne für die Fördermittelanträge sind entsprechend den Möglichkeiten des Vereins abgestimmt.

Durch die große Unterstützung vom Landesamt für Denkmalpflege und der unteren Denkmalschutzbehörde, sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz haben wir die Hoffnung gemeinsam einen weiteren großen Schritt bei der Sanierung der Orgel und Kanzel in den nächsten Jahren voranzukommen.

Die Stadt Ruhla und der Förderverein haben ein großes Interesse am nachhaltigen Erhalt und Nutzung der Trinitatiskirche. Sie ist ein wichtiges kulturhistorisches Baudenkmal, verknüpft mit umfangreichen Traditionen und historischen Ereignissen der Stadt.



Elke Schmidt
Förderverein St. Trinitatis