Sagen unserer Heimat

Das Laubmännchen

Im alten Ruhla zogen zur Pfingstzeit, sobald also der Wald wieder grün war, Jugendliche und Kinder hinaus in den Wald, banden einen Jüngling oder Knaben von ihnen ganz in grüne Zweige ein, so dass nur noch die Schuhe sichtbar waren. Für die Augen wurde ein Sehschlitz gelassen, die Zweige ragten aber über den Kopf hinaus und wurden zu einer Spitze zusammengebunden. Dann führte man das "Laubmännchen", das noch mit bunten Bändern und Tüchern behängt war, unter Gesang und Freude in den Ort. Unter der Linde oder auf dem Plan fand dann eine Art Frühlingsfest mit Tanz und besonderen alten Volksliedern statt.

Im "Laubmännchen" ist der personifizierte Frühling selbst zu verstehen bzw. der alte germanische Lichtgott "Baldur", der im Winter tot, nun zu neuem Leben erweckt wurde.
Bis etwa um 1840 war dieser Brauch in Ruhla und Umgebung üblich.

[aus Sommergewinn-Heft 2002]