Sagen unserer Heimat

Der Jäger vom Ringbergstein

Hoch oben auf dem Ringbergstein steht eine Schutzhütte. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick hinunter in das romantische Tal. Manchmal läßt sich auf dem Felsen ein Jäger sehen, der wie ein Krieger aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gekleidet ist. Still und ruhig sitzt er da auf dem Felsblock, hält die Büchse schussbereit in der Hand und wartet, ob nicht ein Stück Wild aus dem Gebüsch hervortritt.
Einst kam eine Rühler Frau zu dem Felsen, als sie plötzlich den gespenstischen Jäger erblickte. In dem Glauben, es habe sich jemand zum Scherze verkleidet und hierher gesetzt, schritt sie nach kurzem Besinnen weiter. Wie sie sich aber anschickt, an dem Mann vorüberzugehen, ist der wie ein Blitz verschwunden. Zu Tode erschreckt, stürmte die Frau den Weg hinunter nach Hause.
Solche spukende Jäger gibt es viele. Auch Kroaten und Landsknechte gehen um. Im Dreißigjährigen Krieg sollen wilde Kriegshorden in der unglücklichen Ruhl gehaust haben. Von ihnen sind etliche erschlagen worden. Wegen ihrer Schandtaten fanden sie keine Ruhe in den Gräbern und treiben sich seit jener Zeit umher. Vielleicht ist auch der Jäger auf dem Ringbergstein der Geist eines solchen unseligen Kriegers. Aber es gibt Leute, die meinen, die Erscheinung sei nichts anderes als der Wilde Jäger.

[aus Sommergewinn-Heft 2002]