Sagen unserer Heimat

Die weiße Frau aus dem Tolljungfernstein

Unfern von Ruhla, über dem Forsthaus nahe dem Goldborn, erhebt sich ein Felsen, den man den "Tolljungfernstein" nennt.

Vor vielen Jahren wurde dort hinein eine Jungfer gebannt. Warum das so gekommen ist, weiß heute niemand mehr zu sagen. Aber es muß ein schlimmes Verbrechen geschehen sein, in das diese Jungfer verwickelt war.

Von Zeit zu Zeit läßt sie sich sehen. Dann trägt sie am Gürtel einen großen Schlüsselbund, blickt traurig vor sich hin und seufzt als müsse sie Zentnerlasten tragen. Immer hat sie ein schlohweißes Gewand an, steht zunächst auf dem Felsen und hält Ausschau als erwarte sie jemanden. Da nun aber niemand kommt- steigt sie wieder herab, wandelt still und ohne Geräusch um den Felsen herum.

Plötzlich aber überkommt es sie - sie ergreift den an ihr herabhängenden Schlüsselbund, schüttelt die Schlüssel wild hin und her, dass sie laut rasseln und klirren und gebärdet sich unsinnig und rasend. Danach verschwindet sie mit einem Male wieder in den Felsen, der nach ihr den Namen trägt.
In der Ruhl aber gilt das Sprichwort für alle diejenigen, die sich wie Verrückte aufführen:
"Sie gebärden sich wie die tolle Jungfer"

[aus Sommergewinn-Heft 2002]