Aktuelles - Ruhla im Takt der Zeit

Fr 16.12.2005

Holz - "grünes Gold" der Region

Winterzeit ist Erntezeit im Wald. Aber auch die Zeit der Fragen von Waldbesuchern: "Müssen Bäume überhaupt umgesägt werden?" "Wird zuviel Holz genutzt?" "Sind dazu Maschinen notwendig?" Die nachfolgenden Zeilen sollen versuchen, einige Antworten zu geben.

Der Gesetzgeber in Thüringen hat festgelegt, dass der Wald auf gleicher Fläche der Holznutzung und der Erholung dienen sowie alle Schutzfunktionen wie Luftreinhaltung, Wasserfilterung und Naturschutz erfüllen soll. Dies erscheint oft wie die Quadratur des Kreises.

Die Forstleute werden auch in Thüringen zunehmend damit konfrontiert, dass der Wald nur noch unter Freizeitaspekten betrachtet wird. "Walking", "Hiking", "Dirt- und Mountainbiking", Joggen und Reiten sind nur einige Schlagworte in diesem Zusammenhang. Auch soll der Wald oft nur noch als Kulisse für die Jagd herhalten. Bei den genannten Hobbys stören die Motorsäge und der Rückeschlepper. Wer Holz oder Bretter benötigt, geht in den Baumarkt, so wie das Steak aus der Kühltruhe kommt. Wir haben es in Land - und Forstwirtschaft leider mit einer zunehmenden Entfremdung von der Urproduktion zu tun.

Dabei ist Holz unser wichtigster nachwachsender Rohstoff. Gelten Holzmöbel nicht als besonders ökologisch und gemütlich? Muss Kinderspielzeug nicht unbedingt aus Holz sein? Gibt ein Holzfeuer im Kamin nicht eine besondere Wärme? Auch diese Zeitung begann einmal als Baum. Es wäre ökologischer Frevel, das notwendige Holz aus den Tropen, Kanada oder Skandinavien zu beziehen, wo weniger strenge Gesetze oder keine geregelte Forstwirtschaft bestehen. Nein, Holz wächst vor der Haustür und ist ein Rohstoff der Region und der kurzen Wege. Sein Transport ist einfach und unbedenklich, im Vergleich zu Erdöl mit zahlreichen bekannten Katastrophen. Im Gegensatz zu Öl oder Kohle wächst Holz immer wieder nach und wird umweltfreundlich ausschließlich aus Wasser, Kohlendioxid und Sonnenenergie produziert. Demgegenüber muss bei der Produktion von Kunststoff die 4fache, bei Stahl die 24fache und bei Aluminium sogar die 126fache Energiemenge aufgewendet werden. Mit der Nutzung und Verwendung von Holz werden in Deutschland jährlich 40 Mio. Tonnen Kohlendioxid gebunden - eine wesentliche Reduktion des Treibhausgases und ein großer Beitrag zum Klimaschutz!
Werden Holzprodukte nicht mehr benötigt, so können sie unbedenklich entsorgt werden. Bei der umweltfreundlichen Verbrennung kann Energie erzeugt werden, bei der Deponierung wird Holz zersetzt und geht in den natürlichen Stoffkreislauf ein.

Es ist weniger bekannt, dass deutschlandweit etwa 600 000 Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft existieren, überwiegend im strukturschwachen ländlichen Raum. In Thüringen geht man von etwa 30 000 entsprechenden Arbeitsplätzen aus.

Im Forstamt Marksuhl sorgen derzeit 12 Revierförster und 48 Waldarbeiter für eine qualifizierte Waldpflege und Holzernte. Unser heutiger Wald ist seit Generationen ein Kulturprodukt und bedarf daher der ständigen Kontrolle und des pflegenden Eingriffs des Forstpersonals. Der extrem trockene Sommer 2003 mit der daraus resultierenden Borkenkäferproblematik zeigte dies noch einmal eindringlich!
Mit den Durchforstungen und der damit verbundenen Holzernte verfolgen wir langfristig das Ziel, die Nadelholzbestände zu stabilisieren und das vorhandene Laubholz zu fördern, um ökologisch wertvolle Mischbestände zu erhalten. Dies alles erfolgt kahlschlagfrei!
Da Waldarbeit nach wie vor eine harte und gefährliche Arbeit ist, bieten hier Holzerntemaschinen und Rückefahrzeuge entsprechend Entlastung. Auch in der Landwirtschaft arbeitet man nicht mehr mit Ochse und Pflug! Das bei den derzeitigen Holzeinschlägen die Wege leiden, ist oft einem milden Winter mit nur wenigen und kurzen Frostperioden geschuldet. Dies gefällt den Forstleuten ebenso wenig wie den Wanderern. Nach der Holzabfuhr und entsprechender Witterung werden die Wege wieder gepflegt und instandgesetzt.

Das Dilemma der Forstwirtschaft ist, dass die gesamten Leistungen des Waldes, wie etwa Trinkwasserschutz und Luftreinhaltung, finanziell nicht honoriert werden. Ebenso ist der Waldbesuch für alle selbstverständlich ohne Eintritt möglich und das soll natürlich auch so bleiben. Von der Forstverwaltung wird allerdings erwartet, dass sie sich kostenseitig selbst trägt (man stelle sich dies bei Lehrern oder der Polizei vor....). Dies ist nur über Holzverkauf möglich, der etwa 95 % der Einnahmen eines Forstamtes ausmacht. Bedenklich ist allerdings die Entwicklung des Holzpreises, der sich heute auf dem Niveau von 1950 befindet. Konnte man damals mit dem Erlös eines Festmeters etwa 40 Waldarbeiterstunden bezahlen, so sind es heute noch etwa 2,5! Die finanzielle Lösung könnte lauten, einfach mehr Holz zu schlagen. Dies wäre allerdings gegen den Ehrenkodex der Forstpartie, die bereits vor über 200 Jahren aufgrund einer großen Holznot das heute oft zitierte "Nachhaltigkeitsprinzip" erfunden hat. Das heißt, dass nie mehr Holz eingeschlagen werden darf als nachwächst. Im Thüringer Waldgesetz ist dies speziell geregelt. Die Einhaltung des Paragraphen wird so gewährleistet, dass unabhängige Gutachter alle 10 Jahre die gesamten Waldbestände eines Forstamtes einer Inventur unterziehen. Dabei wird unter anderem ermittelt, wie hoch der Holzzuwachs ist und erst danach wird festgelegt, was in den nächsten 10 Jahre genutzt werden darf. Eine Übernutzung der Wälder ist damit ausgeschlossen! Anders ausgedrückt: wir nutzen die Zinsen, das Kapital bleibt erhalten!

Dass sich Ökonomie und Ökologie nicht ausschließen müssen, zeigt die naturschutzfachliche Bedeutung unserer Wälder. Über 5000 Hektar des Forstamtes sind Bestandteil sogenannter FFH ("Flora, Fauna, Habitat")-Gebiete, einem europäischen Schutzgebietsnetz.

Schon häufig hat der BUND seine "Biotope des Monats" im Forstamtsbereich Marksuhl gefunden. Neben den typischen Waldbewohnern Rot-, Reh-, Dam- und Schwarzwild sind auch so seltene Tierarten wie Wildkatze oder Schwarzstorch in unseren Wäldern heimisch. Die "Rote Liste Art" Gelbbauchunke hat eines ihren wenigen Thüringer Vorkommen in unserem Forstrevier Kohlbach bei Gerstungen und sie fühlt sich ausgerechnet in den wassergefüllten Fahrspuren der Rückefahrzeuge besonders wohl!
Im gleichen Revier haben wir auch in einer Größe von etwa 100 ha eine nutzungsfreie Naturwaldparzelle, eine Art "kleinen Nationalpark" ausgewiesen, wo sich Wald und Natur ohne menschlichen Einfluss entwickeln dürfen.

Ich hoffe es ist deutlich geworden, dass Forstleute keine "bösen Buben" sind, sondern Daseinsvorsorge für uns und unsere Enkel betreiben. Wer ein wenig über den Tellerrand schaut, wird erkennen: Forstwirtschaft ist die Lösung, nicht das Problem!


Ansgar Pape, Forstamtsleiter Marksuhl