Aktuelles - Ruhla im Takt der Zeit

Fr 09.10.2009

Bildung als höchstes Gut der Gesellschaft?

Bildung muss im Vordergrund stehen, denn die Jugend ist unsere Zukunft. Hier darf nicht gespart werden.
Das wissen wir alle. Doch wie wird in der Praxis gehandelt?
Noch bevor in Erfurt neue Maßstäbe in der Bildungspolitik diskutiert werden, empfahl der Schulausschuss des Wartburgkreises am Mittwoch in seiner nichtöffentlichen Sitzung, die Schulstandorte des Erbstromtales neu zu überdenken. Und dabei soll u.a. die Grundschule in Thal geschlossen werden.

Richtig ist, dass das 100jährige Schulgebäude in Thal einer dringenden Sanierung bedarf. Das ist jedoch keine Begründung für eine Schließung, die so plötzlich auf der Tagesordnung steht. Ebenso macht die Art und Weise, wie dieser Beschluss gefasst wurde, betroffen.
"Kurze Beine - kurze Wege" sagt die Politik - doch wie wäre die Realität? Wir alle wissen, was es für einen Schulanfänger bedeutet, täglich allein mit dem Bus zu fahren und länger als gewöhnlich mit dem schweren Schulranzen unterwegs zu sein. Dies ist eine Belastung für Kinder und Eltern. Kinder brauchen Geborgenheit und Identität. Kinder sind unsere Zukunft.
Sparen wir hier nicht am falschen Ende???

Für Thal würde die Schließung des Gebäudes zahlreiche Konsequenzen nach sich ziehen. Der kleine Wohnort am Erbstrom hätte weniger für Kinder zu bieten. Die Schule ist ein Zentrum der kulturellen Aktivitäten des Ortes. Hier findet Leben statt, hier wird Identität und Heimatverbundenheit geboren. Nimmt man dem Ort die Grundschule, so wird eine weiterer Bevölkerungsrückgang zu erwarten sein. Wir alle kennen die Prognosen des demografischen Wandels - doch müssen wir diesen Wandel mit aller Gewalt unterstützen oder ist es nicht die Pflicht einer jeden Kreisverwaltung, dem entgegen zu steuern? Wir wollen familienfreundliches Leben unterstützen und vergessen dabei, die Möglichkeiten dafür zu erhalten!

Richtig ist, dass man in einer freien Gesellschaft auch über unangenehme Tatsachen reden darf und auch muss.
Ich glaube aber auch, dass die Steuergelder der Bürgerinnen und Bürger auch für die Kinder, für unsere und deren Zukunft verwendet werden sollen. Das kann nie rein wirtschaftlich gerechnet werden. Hier muss man genau überlegen, ob ein Radweg oder eine Kreisstraße wichtiger sind, als eine Investition in die Zukunft unserer Region. Ich bin der Meinung, dass der Kreistag zu viele freiwillige Aufgaben auf seinen Tisch zieht und dabei Pflichtaufgaben vergisst. Geld muss zuerst in Schulen und Bildung investiert werden!

Als Bürgermeister der Stadt Ruhla wende ich mich entschieden gegen die Schließung der Schule. Gemeinsam mit den Eltern und Schülern werde ich um die Grundschule Thal kämpfen. Im Rahmen des jetzt anstehenden Beteiligungsverfahren des Wartburgkreises werde ich anregen, im Stadtrat der Stadt Ruhla gegen diesen Beschluss des Schulausschusses zu optieren.

Mario Henning
Bürgermeister der Stadt Ruhla