Aktuelles - Ruhla im Takt der Zeit

Di 22.03.2016

Ostergrußwort des Bürgermeisters der Stadt Ruhla


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

am Wochenende begehen wir das Osterfest. Hektisch bewegen wir uns darauf zu. Die Angebote in den Märkten verleiten uns zum Kauf von Dingen, die wir gar nicht wirklich brauchen. Die freien Tage führen zur Frage, welches Essen noch gekauft werden muß und der angekündigte Besuch löst Streß aus - denn wer macht noch sauber, wer bügelt und wer kocht? Und das Wetter erst - weshalb wird nicht sonniges, warmes Osterwetter vorhergesagt?

Seien wir einmal ganz ehrlich. Liegen wir damit nicht meilenweit neben der Osterbotschaft?
Karfreitag und Ostersonntag - Tod und Auferstehung Christi - wollen uns etwas ganz anderes vermitteln. Christen und Nichtchristen bekommen die Botschaft, daß Veränderung möglich ist, daß das Leben den Tod besiegt. Und daß Liebe den Haß überwindet.
Klingt das vielleicht zu unwirklich? Ist Liebe vielleicht ein zu großes Wort?
Dann lassen Sie es uns anders nennen. Nehmen wir die Größe, schwach sein zu dürfen, die Kraft, Vergebung üben zu können und die Demut, Frieden stiften zu wollen. All das ist in uns. Im Kleinen wie im Großen. Und wir dürfen es leben.

Wir dürfen Fehler haben und sie zugeben, wir dürfen verzeihen und neu beginnen. Wir dürfen Frieden schließen, wo Fehde war. Wir dürfen unseren Nachbarn wieder grüßen - auch wenn ein Gedanke zwischen uns steht. Und wir dürfen wieder aufstehen - aus Angst, aus Frust, aus dem Versagen heraus.

Ich wünsche mir als Bürgermeister, daß wir dieses auch in unserer Stadt erleben. Lassen Sie uns die Kritik anderer ehrlich betrachten, ohne Haß zu empfinden. Lassen Sie uns gegenseitig in die Augen schauen, ohne auf Vergeltung zu sinnen. Lassen Sie uns füreinander eintreten und für unsere gemeinsame Stadt, ohne Streit und Neid. Gerade in einer Welt voller Krieg und Streit ist es notwendig, daß man im Kleinen anfängt und Frieden stiftet. Jeder kann das tun.

Und seien wir einmal dankbar für all das, was wir haben. Meist sieht man nur das Negative. Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit, politische Fehler und Unzulänglichkeiten, klamme Stadtkassen und Kulturabbau. Aber schauen wir einmal auf die andere Seite der Medaille. WIR dürfen in Frieden leben, WIR haben Konsummöglichkeiten ohne Ende, WIR streiten uns um Kleinigkeiten - oder um Geld.
Wo kann da nachhaltige Entwicklung, ja positive Veränderung stattfinden?

Gerade in einer Zeit, in der sich Europa in einer großen Veränderung befindet, in der sich unsere Welt neu ordnet, in der Krisen vermehrt aufbrechen und nach Lösungen drängen, gerade in dieser Zeit ist es wichtig, die Osterbotschaft zu verstehen: Das Leben hat den Tod überwunden.
Das Leben ist ein Geschenk. Das Leben, das sind wir, in all unserer Zerbrechlichkeit und Stärke.

Lassen Sie uns während der Osterfeiertage zur Besinnung kommen. Lassen Sie uns dankbar sein für all das, was wir haben und Kraft sammeln, für die Wege, die wir uns bauen. Lassen Sie uns offen sein für die Osterbotschaft - egal, ob man dem christlichen Glauben angehört oder nicht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe und besinnliche Osterfeiertage, leuchtende Kinderaugen und glückliche Familienkreise.

Ihr Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler