Aktuelles - Ruhla im Takt der Zeit

Di 04.11.2003

Tabakpfeifensymposium in Ruhla und Schweina vom 31. 10. - 02.11.2003

Gäste aus allen Teilen Deutschlands, aber auch aus Frankreich und den Niederlanden trafen sich , um zu fachsimpeln ,zu tauschen und vieles über die Tabakpfeifenherst. in Ruhla und Schweina zu erfahren.
Die Namensgebung des Ruhlaer Heimatmuseums in "Ruhlaer Tabakpfeifenmuseum und Museum für Stadtgeschichte" bildete den Auftakt des Tabakpfeifensymposiums.
Eine einzigartige Sammlung von kunstvoll geschnitzten, prächtig bemalten Tabakpfeifen und -spitzen aus den verschiedensten Materialien sind nun zu bewundern.
Im Mittelpunkt des Symposiums stand aber auch die Vortragsreihe im gut besuchten
Rittersaal des Hotels "Thalfried". Der namhafte Pfeifenkenner Herr Otto Pollner /Bünde referierte über "Die Pfeifenmacher zwischen Rennsteig und Rhön", während der Pfeifendesigner und Pfeifenhersteller Herr Kl. Billerbeck /Hamburg behauptete "Mit Rauchern läßt sich reden".
" Die Tabakpfeifenherstellung in Ruhla" wurde von Frau H. Helbig, Museumsleiterin, anschaulich erläutert und Frau E. Raddatz, Ortschronistin Schweina, gab einen Überblick über "Die Tabakpfeifenherstellung in Schweina".
Beim anschließenden "Raucherabend" mit "Wettrauchen" zeigten sich dann die wahren Kenner - es rauchte ganz ordentlich ! 1. Sieger war übrigens ein franz. Gast - M. Gilles Kleiber aus Straßburg.
Sonntag, 02.11.03 trafen sich alle Teilnehmer in Schweina, um die dort noch bestehende Tabakpfeifenproduktion im " Pfeifenstudio H. Hartmann" zu besichtigen. Hier konnten im Werksverkauf Pfeifen aus der neuesten Produktion erworben werden.
Die Einweihung eines "Pfeifenweges" (12,6 km) zwischen Schweina und Ruhla
bildete den Abschluss des 1. Tabakpfeifensymposiums 2003.

An dieser Stelle soll kurz über die Geschichte der Pfeifenherstellung in Ruhla und Schweina berichtet werden.

Ruhla - einst Mekka der Pfeifenraucher der Welt

Vor über 250 Jahren, noch in der Blüte des Messerschmiedehandwerkes, wurde in Ruhla mit der ortsverwandten Pfeifenbeschlagfertigung der Grundstein zu einem neuen Erwerbszweig gelegt. Ruhla entwickelte sich für Jahrzehnte zur "Pfeifen-
rauchermetropole" der ganzen Welt.
Die wichtigsten Exportländer waren neben Deutschland (Kleinstaaten) Russland, England, Belgien, Niederlande, Italien, Frankreich, Skandinavien, Amerika, Afrika sowie Grönland und Kamtschatka.
Angefangen hat diese Entwicklung 1739 mit der Einführung von Tabakpfeifenbeschlägen durch Simon Schenck aus Zillbach (Rhön) nach Ruhla.

Die Tabakpfeifenbeschläge wurden anfangs zu den Pfeifenschnitzern in die Rhön geliefert. Doch bereits kurze Zeit später stellten die Ruhlaer selbst komplette Tabakpfeifen aus verschiedenen Materialien her.
Die erste Firma (als Handlung und später als Tabakpfeifenfabrik) war "Gebrüder Ziegler", 1767 gegründet.

Im Jahre 1797 gab es in Ruhla 12 Händler und Hersteller von echten Meerschaumköpfen.
Zwischen 1867 und 1869 zählte man 115 Geschäfte, Werkstätten und Fabriken in
der Tabakpfeifenbranche Ruhla. Mitte des 19. Jahrhunderts war der überwiegende
Teil der Ruhlaer Einwohner mit der Herstellung und dem Vertrieb von Tabakpfeifen (hauptsächlich Meerschaumpfeifen) nebst Zubehör beschäftigt. Im Jahre 1903 gab es 30 Tabakpfeifengeschäfte.

Über die Umsätze im Ruhlaer Tabakpfeifengewerbe berichten "Meyers Reisebücher": "Jährlich 27 Millionen Beschläge, 15 Millionen Pfeifenrohre, 19 Millionen Pfeifenschläuche, 10 Millionen Spitzen für Tabakpfeifen und Zigarren, 9 bis 10 Millionen beschlagene Porzellanpfeifenköpfe, 5,5 Millionen unechte und 540.000 echte Meerschaumköpfe, 4.800.000 Holzpfeifenköpfe und 15 Millionen komplette Tabakpfeifen - eine Produktion von ca.6 Millionen Mark! "
Der Niedergang des Tabakpfeifengewerbes wurde durch das Aufkommen der Zigarette ausgelöst.

1980 starb der letzte Meerschaumpfeifenkopfschneider, Franz Thiel, und mit ihm das so traditionsreiche Gewerbe. Über 200 Jahre wurden in Ruhla Tabakpfeifen hergestellt Heute hat das Tabakpfeifengewerbe einen geschichtlichen und musealen Wert. In unserem Ruhlaer Museum sind herrlich gearbeitete Tabakpfeifen aus verschiedenen Materialien - Meerschaum, Holz, Ton und Porzellan - zu bewundern, die dem Besucher in der anschaulichsten Weise von Ruhla als dem einstigen"Mekka der Pfeifenraucher" erzählen.

Tabakpfeifenindustrie in Schweina

Die Geschichte der Tabakpfeifenindustrie in Schweina ist bedeutungsvoll.
Man findet in der Chronik der Pfeifenfabrik C.S. Reich von 1939 den stolzen Satz:
"Der Hauptsitz der Tabakpfeifenindustrie in der ganzen Welt ist, neben St. Claude in Frankreich, in Deutschland der Ort Schweina."
Der kleine Ort besaß zu Beginn des 2. Weltkrieges mehr Pfeifenfabrikanten als irgendein anderer Platz in Deutschland. Die Pfeifenproduktion begann später als in Ruhla, hielt aber dafür länger an.
Ursache der Pfeifenproduktion war hier im Ort im 19. Jahrhundert der Niedergang des Bergbaus. Junge Leute, wie Justus Reich, der bei Meister Schenk in Ruhla das Pfeifendrechseln erlernte, trugen das neue Gewerbe nach Schweina. Die schließlich von ca. 20 Kleinbetrieben gefertigten Pfeifen wurden über den Rennsteig nach Ruhla gebracht und von dort aus vertrieben. Justus Reich aus Schweina war der erste, der sich von Ruhla unabhängig machte. Er gründete 1864 in Schweina die Firma "August Reich Söhne”. Mehrere Frmengründungen machten Schweina bis zum 2. Weltkrieg weitbekannt. Die Palette der Pfeifenherstellung reichte von der "Deutschen Pfeife” über lange Pfeifen mit Hornteilen und Porzellankopf bis zu Aufsatzpfeife mit Meerschaumkopf. Auch "Reservistenpfeifen” wurden gefertigt.
Heute werden in Schweina vorrangig noch Tabakpfeifen aus Bruyereholz hergestellt und weltweit versandt.
Die Firma "Pfeifenstudio Hubert Hartmann GmbH und Co. KG Schweina” setzt die alte Tradition der Pfeifenherstellung fort.

Beim Pfeifenrauchersymposium wurden Vorträge über die Geschichte dieses alten Handwerks der beiden Orte gehalten. Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen haben, dann besteht die Möglichkeit den "Vortrag über die Pfeifenherstellung in Schweina", gehalten von der Ortschronistin aus Schweina, Frau Edith Raddatz anzusehen. Vortrag.pdf
Der "Vortrag über die Pfeifenherstellung in Ruhla" wird nachgereicht.

Foto´s von den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Fotoarchiv (Stadtführer-->Fotoarchiv--> Pfeifensymposium...)