Nachruf Dieter Quent

Nachruf
Bürgermeister a. D.
Dieter Quent
* 14.8.1938 * 27.2.2019

Am 27. Februar 2019 verstarb Dieter Quent im Alter von 80 Jahren. Von Mai 1972 bis Januar 1990 war er Bürgermeister der Stadt Ruhla. In seiner nahezu 20-jährigen Amtszeit prägte Dieter Quent das Stadtbild wesentlich mit. Er trug durch die gute Zusammenarbeit mit den ansässigen Industriebetrieben und allen Gewerbetreibenden wesentlich dazu bei, dass seine Heimatstadt im ehemaligen Kreis Eisenach ein wichtiger Wirtschafts- und Wohnstandort war.

Ob wirtschaftlich, kulturell, sportlich oder bildungspolitisch, Dieter Quent setzte sich stets für seine "Ruhl" ein und war bemüht, für ihre Bürger das Beste zu tun. In seine Amtszeit fielen zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur. Z. B. erfolgte 1973 die Generalinstandsetzung von 12 Hohlen, teilweise mit Einbringung neuer Stufen. Zudem wurden in der „Leninstraße“, heutige Marienstraße, neue Versorgungsleitungen gelegt. Eine der größten Baumaßnahmen in der Geschichte der Stadt geschah in den Jahren 1974 bis 1977. Im Stadtgebiet wurden die Haupt- und Durchfahrtsstraße auf gesamter Länge grundhaft erneuert und die Versorgungs- und Abwasserleitungen neu verlegt. Dabei beseitigte man auch Engstellen durch zahlreiche Abrisse von Häusern. Erst danach war im Stadtzentrum eine Befahrung im Gegenverkehr möglich. Des Weiteren war 1977 die Altensteiner Straße wegen Straßenbau voll gesperrt. 1978 hat man die Straßendecken in der Wintersteiner-, Liesen-, Forst- und Käthe-Kollwitz-Straße sowie an der Krümme erneuert. 1979 wurde die Trinkwasserversorgung durch zwei neue Hochbehälter am „Vorderen Nesselrain“ verbessert. Ebenso begann der Bau von Wohnblocks auf dem Liesenberg, der 13. Wohnblock wurde 1989 gebaut und bezogen.

In der Amtszeit von Dieter Quent sind auch neue Voraussetzungen für den Schul- und Vereinssport, die Kinder- und Jugendbetreuung sowie die Kultur geschaffen worden. 1977 wurde die neugebaute Turnhalle im Bermbachtal eröffnet. 1989 wurde nach vierjähriger Bauzeit und grundlegender Rekonstruktion auch die alte Turnhalle auf dem Turnerberg wieder für die Nutzung übergeben. 1981 wurde ein Jugendclub im Zentrum der Stadt eröffnet. Ebenso ist das Museumsgebäude grundhaft saniert und ab 1983 sind die Schauräume neu gestaltet worden, so dass das Museum 1984 wieder eröffnet werden konnte. 1985 wurde der Kindergarten auf dem Liesenberg und 1989 die Kinderkrippe und der Kindergarten in der Krümme gebaut. Schließlich wurde in der Amtszeit von Dieter Quent ab 1981 das Heimatfest „Rühler Kirmes“ in die Betriebsfestspiele integriert. Weiterhin fanden zahlreiche Jubiläen statt: 1986 „300 Jahre Trinitatiskirche“ und „80 Jahre Ortsmuseum“; 1987 „125 Jahre Uhrenwerke“ und „150 Jahre freiwillige Feuerwehr“, 1989 „75 Jahre Schulgebäude Kurhausplatz“ und „35 Jahre Polytechnik in Ruhla“.

In seiner Amtstätigkeit war Dieter Quent Vorsitzender des Gemeindeverbandes Ruhla, Thal, Kittelsthal, Seebach und Etterwinden. Dabei förderte er maßgeblich die Zusammenarbeit zwischen den Ortschaften. Im Umgang mit allen damaligen politischen Parteien und Organisationen war er loyal und hatte für jedermann ein offenes Ohr.

Aber in den 1980er Jahre sank auch in Ruhla mehr und mehr die Resonanz der Bevölkerung für den Staat. Nach dem 40. Jahrestag der DDR kam es in Ruhla zu Bürgerversammlungen in der Concordiakirche und zu öffentlichen Diskussionen. Zeitzeugen berichten, dass sich Dieter Quent in seiner sachlichen und ruhigen Art von Anfang an den Fragen der Bürger gestellt und seine Leistungen für die Stadt Ruhla verteidigt habe. Dieter Quent versuchte dabei immer konstruktiv auf die Forderungen einzugehen. Ab Januar 1990 nahm dann der „Runde Tisch“ als neues Stadtgremium die Arbeit für den Übergang auf, u.a. mit Gesprächen zwischen Bürgermeister, Ratsmitgliedern, Vertretern der Parteien und der Bürgervereinigung. Die Arbeit in der Verwaltung wurde angesichts der sich auftürmenden Forderungen und auch wegen des fluktuierenden Personals immer schwieriger. Dieter Quent forderte den Runden Tisch auf, Abhilfe zu schaffen, um überhaupt die notwendigen Verwaltungstätigkeiten der Stadt leisten zu können. Auf seine Anregung delegierten die Uhrenwerke einige Mitarbeiter ins Rathaus, auch wurden dort Vertreter der Unabhängigen Bürgervereinigung tätig. Die Vorwürfe gegen Dieter Quent aber blieben nicht aus. Als er die schweren Anschuldigungen nicht mehr ertragen konnte, verließ er gemeinsam mit seiner Ehefrau seine geliebte Ruhl und fand in der neuen Partnergemeinde Schalksmühle eine neue Tätigkeit. Aus der Ferne schaute er weiter mit Interesse auf die Entwicklung von Ruhla, kehrte im Alter wieder zurück und verbrachte die letzten Jahre zurückgezogen in seiner Heimatstadt. Die herzliche Aufnahme nach seiner Rückkehr durch einige mit ihm und der Stadt verbundene Bürger, ließ ihn spüren, dass seine Leistung als Bürgermeister doch eine Wertschätzung erfahren hat. Später sagte Dieter Quent einmal: „Was die Stadt Ruhla nach der Wende mit Fördermitteln geschaffen hat, wäre in der DDR nie möglich gewesen.“ In dieser Einsicht zeigt sich die ganze charakterliche Stärke eines Mannes, der in seiner Amtszeit als Bürgermeister, in einer politisch völlig anderen Welt, seine ganze Kraft für seine Stadt einsetzte. An die Nachgeborenen sei daher mit Bertold Brecht ein Wort gerichtet: „Nur belehrt von der Wirklichkeit, können wir die Wirklichkeit ändern.“

Die Stadt Ruhla wird Dieter Quent immer ein ehrendes Andenken bewahren. Unser aufrichtiges Mitgefühl gebührt seiner Frau, seinen Kindern und allen Angehörigen.

 

Dr. Gerald Slotosch
Bürgermeister der Stadt Ruhla