Wetter

Witterungsrückblick für den Monat August 2022

Der Wetterhahn von Sankt Concordia blickt zurück

auf den 3. Sommermonat des Jahres 2022, den von den Menschen so geliebten Urlaubsmonat August

Er ist zugleich der letzte Sommermonat des jeweiligen Jahres. Mit dem letzten Tag des August steht, ob wir es glauben wollen oder nicht, der kalendarische Herbst vor unserer Tür. Wir merken es täglich, die Morgen sind schon erheblich kühler geworden und das Tageslicht hat sich merklich verkürzt. Beträgt die Tageslänge am 1. August noch 15 Stunden und 21 Minuten, so sind es am 31. August noch 13 Stunden und 37 Minuten. Früher sagte man: „Sankt Stanislaus (10.08.) ist der erste Herbsttag.

Den Namen August erhielt der Monat nach dem römischen Kaiser Augustus Octavian. Der Name August wurde erstmals im Jahre 8 unserer Zeitrechnung verwendet. Vorher wurde der Monat als Sextilis bezeichnet.

Unsere Altvorderen kannten den August unter den Namensbezeichnungen Ährenmonat, Sichelmonat, Ernting oder Erntemonat. Die Namen wurden immer mit der Tätigkeit der Ernte durch die Bauernschaft in Verbindung gebracht. Mit Feiertagen ist der August nicht gesegnet, die Arbeiten zur Versorgung der Bevölkerung standen im Mittelpunkt des Monats, nicht das Feiern.

Interessant zu wissen ist die Tatsache, dass der August in einem Schaltjahr mit dem gleichen Wochentag wie der Februar beginnt. In so genannten „Gemeinjahren“ beginnt jedoch kein anderer Monat mit dem gleichen Wochentag wie der August.
Nun hat uns auch der 3. Sommermonat des Jahres mit seinem durchgängigen Backofenwetter gleichsam überrollt. Die Hitze, die uns seit Anfang Juni fest in ihrem Griff hält, will und will nicht weichen.

Die Hitze, die nicht nur uns Menschen über Monate, ich möchte fast sagen, tyrannisiert, hat auf die gesamte Natur Europas einen durchweg negativen Einfluss. Die Tage, an denen Wolken die Sonne verdecken, wurden immer weniger. Bei den angefallenen Niederschlägen mussten wir uns fragen, Regen - was ist das?

Besonders das Lieblingskind von uns Thüringern, unser so geliebter Wald, hatte neben den landwirtschaftlichen Flächen besonders zu leiden. Im Moment gibt es bei uns nicht eine Baumart, an der wir keine Trockenschäden erkennen können. Die Waldböden sind bis tief hinein von einer bisher nicht gekannten Dürre im Boden gekennzeichnet.

Alle Fichtenbestände in unserer näheren Umgebung bieten einen erschreckenden Anblick. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, die Fichte ist in unseren Lagen dem Tode geweiht. Die Gründe sind in den aufeinander folgenden Dürreperioden der letzten Jahre zu suchen, die dem Käferbefall und auch Pilzerkrankungen Tür und Tor öffnen.

Begeben wir uns auf einen Waldspaziergang, selbst im Laubwald kommen wir uns vor wie im Spätherbst. Dies ist zu der jetzigen Jahreszeit völlig unnormal. Selbst an jungen Bäumchen sind schon Dürreschäden zu erkennen.

Die extreme Dürre hinterlässt gerade an den alten stehenden, ja ich möchte sagen, majestätisch erscheinenden Bäumen ihre Schäden. Ihr Immunsystem, welches wir gerade für fest und hart halten, hat sehr gelitten. Wir halten sie für standhaft, allen Unbilden der Umwelt trotzend - und gerade sie leiden von Tag zu Tag mehr. Es kommt zu spontanen Astabbrüchen gerade bei diesen uralten Exemplaren. Ihre Kronen sind nur noch spärlich belaubt, sie erscheinen in ihren gesamten Habitus schon krank, geradezu gebrechlich. Unser Wald ist trotz ständigen Bemühens vieler engagierter Forstmitarbeiter ganz einfach nicht mehr 100 Prozentig sicher. Diese Sicherheit kann niemand ständig gewährleisten. Ein jeder tut gut daran, bei einem Waldspaziergang selbst mehr auf seine eigene Sicherheit zu achten. Vorsicht ist angesagt, sie ist bis auf weiteres die Mutter eines Waldspazierganges für jeden, der sich im Wald erholen will.

Ich möchte sagen, an Bergkuppen, Wegrändern und auch in geschlossenen Beständen werden die Trockenschäden in den nächsten Wochen noch zu nehmen.

Der zuständige Revierförster des Forstrevieres Oberhof schätzt unumwunden, dass die Böden in seinem Gebiet sind bis in eine Tiefe von ca. 2 Metern komplett ausgetrocknet sind. Die für dieses Gebiet typische Bodenbedeckung mit Heidelbeere ist total vertrocknet. Auch bei uns im Ruhlaer und Eisenacher Raum sieht es nicht viel anders aus.

Der Sommer der Extreme und besonders sein letzter Monat, der August, hatte auch seine enorme Auswirkung auf die Pegelstände all unserer Bäche, Flüsse, Teiche und Seen. Besonders die kleineren Gewässer litten enorm. Viele von ihnen sind trocken gefallen, wie zum Beispiel unser Thalbach mit samt seinem Vorratsspeicher im Fuchsgrund. Auch er hat seit Ende August so wenig Wasser wie noch nie. Das Trockenfallen, beziehungsweise fast Versiegen unserer Gewässer, hat natürlich auch seine enormen Auswirkungen auf die im Wasser lebenden Kreaturen. Für diese Lebewesen wird zuerst der Sauerstoff knapp und dann das unbedingt lebensnotwendige Wasser. Man kann sich kaum vorstellen, welche Dramen sich hier abgespielt haben. Mit dem Wasser verschwand nicht nur das Leben im, sondern  auch um das Gewässer herum. Nicht vergessen sollten wir hierbei auch, dass viele Wildtiere hiermit ihre Tränke verloren haben.

Eine weitere Auswirkung der eingetretenen Dürre ist die Tatsache, dass der Grundwasserspiegel in weiten Gebieten Europas und somit auch in unserem Land beträchtlich gesunken ist. Diese Angelegenheit stellt für uns Menschen einen Teufelskreis dar, weil dadurch Wälder und Wiesen immer weiter an Feuchtigkeit verlieren. Dadurch werden weitere Lebensräume von Pflanzen und Tieren beschnitten. Die Niedrigwasserstände haben in einigen Gebieten schon zu Angelverboten geführt, da zum Teil großflächig Fischsterben auftreten. Es gibt bereits Städte und Gemeinden, die sich gezwungen sehen, die Entnahme von Wasser aus ihren Gewässern zu verbieten.

Auf großen Flüssen, wie Donau und Elbe musste die Tonnagemenge des Transportgutes mangels Tiefgang gesenkt werden. In der Donau wurden seit Jahren nicht mehr gesehene Schiffswracks gesichtet.

Soweit nun bis hierher. Eine Zusammenfassung der gesamten Drei Sommermonate des Hochleistungssommers 2022 erfolgt noch in den nächsten Wochen. Wollen wir uns nun nur noch mit den Messwerten unserer Wetterstation Otfried Blumenstein Ruhla für den August beschäftigen.

Wenn wir uns die Monatsstatistik unserer professionellen Wetterstation „Otfried Blumenstein“, unweit des Gymnasiums gelegen, ansehen, kann einen nur das blanke Entsetzen packen.

Allein die gemessenen Sonnenstunden des August müssen uns ernsthaft Kopfzerbrechen bereiten. Einen monatlichen Wert von 226,3 Std stellt den zweithöchsten je gemessenen Wert der Stadt Ruhla dar. Berücksichtigen sollten wir hierbei die Tatsache, dass die Tageslänge im August gegen Monatsende beträchtlich abnimmt und somit der Tatsachen geschuldet keine Maximalwerte gen Ultimo auftreten können. Der im Laufe des Monats geschätzte Bedeckungsgrad des Himmelsgewölbes spricht gleichfalls eine klare Sprache. Der Himmel über Ruhla zeigte sich an ganzen 8 Tagen wolkenlos, sonnig war es an weiteren 6 Tagen. An 11 Tagen erschien das Himmelszelt leicht bewölkt. Vier Tage war es wolkig. Lediglich an  jeweils einem Tag zeigte uns Petrus einen stark bewölkten bzw. bedeckten Himmel.

Ein geradezu entsetzliches Bild im Monat August zeigte die Entwicklung der Niederschläge. Unsere Wetterstation registrierte für den gesamten Monat, man höre und staune, eine Niederschlagsmenge von gerade mal 13,12 L / m². So wenig hat es in einem Sommermonat in unserem schönen Ruhla noch nie geregnet. Diese „enorme“ Regenmenge ist an ganzen sieben Tagen gefallen, mit anderen Worten, ist an so manchen dieser „Regentage“ überhaupt ein Tropfen Regenwasser auf dem Boden angekommen? Dem ganzen stehen 24 Tage ohne Niederschläge gegenüber. Die Niederschlagsentwicklung hat natürlich die schon bestehende Dürre in Wald, Feld und Flur weiter enorm verschärft und stellt Landwirte, Förster sowie alle Naturfreunde vor Probleme, die für Menschen kaum zu lösen sind. Ich möchte hier nur an die Waldbrandbekämpfung erinnern. Zu den Waldbränden noch einige Bemerkungen im Bericht „Betrachtungen des Hochleistungssommers  2022“ in den nächsten Wochen.

Im genannten Berichtszeitraum ereigneten sich in unserer Ruhlaer Berglandschaft ganze 3 kurze Gewitter, ich möchte sagen, äußerst kurze Gewitter. 3 Gewitter in einem Monat, im Sommer, im Mittelgebirge, was ist das? Wobei wir dazu noch feststellen müssen, dass dabei kaum Niederschläge gefallen sind. Diese extreme Dürreentwicklung führte dazu, dass unser Alexanderborn am 25.08. seine Quellschüttung einstellte. Der Thalbach ist am 31.08. trocken gefallen. Den Gewässern in der näheren Umgebung geht es nicht anders, wo soll das noch hinführen?

Sehen wir uns nun die Temperaturentwicklung des vergangenen Monats an. Auch hier sehen wir, dass wir mitten in einem Teufelskreis sitzen.

Als niedrigsten Nachtwert konnten wir zwar am 07,08. mit 6,7°C einen relativ niedrigen Wert eintragen. Dem gegenüber stehen aber die 34,5°C vom 04.08. als monatliche Höchsttemperatur. Nun kommt das für uns alle Erschreckende. Im Monat August erreichten wir in unserer Höhenlage 21 Sommertage, also Tage, an denen das Thermometer über 25°C erreichte. Von diesen 21 Tagen waren sogar 4 sogenannte Hitze- oder Tropentage. Das heißt, unser Thermometer erreichte Temperaturen von über 30 Grad Celsius.

Nicht aufgetreten sind sogenannte Wüstentage, Tage mit mehr als 35°C. Eine Tropennacht konnten wir auch nicht registrieren, welch ein Trost.

Bei der Entwicklung der Winde können wir gleichfalls recht hohe Werte einschätzen. Die stärksten Windböen lagen immerhin bei ca. 41 Km/h. Gerade diese zum Teil böigen Winde führten gleichfalls zu einer enormen Verstärkung der Dürreerscheinungen.

Der Luftdruck des Monats bewegte sich im Minimalbereich bei 1007,7 hPa, sein Maximalwert betrug 1028,2 hPa, so dass wir einem Mittelwert von 1018,707 hPa registrieren konnten.

All das bisher geschriebene lässt uns nur auf den Monat September hoffen. An ihn stellen wir die Erwartung, dass die Ressourcen wieder etwas aufgebaut werden, aber dies wird Monate dauern, bis einigermaßen realistische Werte erreicht werden können.

Ach übrigens: - Die bisher extremste Sommertemperatur wurde am 10. Juli 1913 mit 56.7 °C in Death Valley in Kalifornien registriert. Systematische Wetteraufzeichnungen, die Vergleiche zulassen, kennen unsere Wetterfrösche seit 1881.

Nun alles Gute bis zur Betrachtung des Hochleistungssommers (Monate Juni, Juli und August), die in den nächsten Wochen erscheinen.

 

Ihr Gert Götze im September 2022