Pappenfabrik Koch, später UWR Gebäude Nord Von der Pappenfabrik Koch zum Gebäude Nord der Uhrenwerke

Standort: 50°54'23.0"N 10°22'30.0"E

Die Mühlräder der Stadt Ruhla

Im 18. Jahrhundert gab es im Ruhlaer Siedlungsgebiet auf einer Tallänge von 3,8 km etwa 19 Wassermühlengewerke wie Hammermühlen, Schleikoten und Mahlmühlen. Das bedeute, dass durchschnittlich alle 200 m eine Wasserradanlage in Ruhla anzutreffen war. Bei einem Höhenunterschied von über 100 m auf dieser Länge, entfiel durchschnittlich auf jede Anlage fast 6 m energetisch nutzbare Fallhöhe des Bachwassers. Dazu kam die jeweilige Strömungsenergie, die durch begradigte Zulaufkanäle und -rinnen noch positiv beeinflusst werden konnte. In den meisten Fällen fand das oberschlächtige Wasserrad seine Verwendung in Ruhla. Damit konnten beide Energiearten bestens genutzt werden.

Unterschlächtige Wasserräder hat es aufgrund des nicht kanalisierten Baches und seines unterschiedlichen Wasserstandes im alten Ruhla nicht gegeben.

Die Ausnutzung der Wasserkraft des wasserreichen Bergbachs für das Eisengewerbe war in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts der Grund für die Aufgabe der alten Siedlung, in den oberen Bergen Richtung Glasbach.  Es kam zu einer ersten Ansiedlung im Talgrund am Erbstromtal. Mehrere Hammerwerke und Schmieden entstanden in der Folgezeit. 1575 hab es 6 Eisenhämmer mit Rennherd-Schmelzeinrichtungen. Diese wurden im 17. Jahrhundert aufgrund der äußerst gering gewordenen Eisenerzausbeute aus dem Bergbau um Ruhla in kleinere, schnellschlagende  und zugeliefertes Eisen verarbeitende Zainhämmer umgewandelt. (Zain = Eisenstab, Rohling für die Messerklingenfertigung).

Die Zahl der Schleifmühlen nahm mit der Entwicklung des Ruhlaer Messerschmiedehandwerks bis ins 18. Jahrhundert stetig zu (bis zu 12 Schleifkoten,bis zu 7 Mahlmühlen).

Bis Anfang der 50-er Jahre wurde in der Tabakpfeifenfabrik Gebr. Ziegler ein Wasserrad für den Antrieb von Fertigungsmaschinen über Transmission genutzt. Etwa zur gleichen Zeit wurde das letzte noch vorhandene Wasserrad der Messerwerkstatt Erbs (Dornsenplatz) stillgelegt. Damit endete in Ruhla endgültig eine für die Stadtentwicklung bedeutsame Epoche.

Am ehemaligen Standort der Pfeifenfabrik Ziegler, In der Ecke 2, erinnert ein rekonstruiertes Wasserrad an die Technikgeschichte und Industriegeschichte der Stadt Ruhla und verdeutlicht deren Ursprung.

Quelle: Ortschronist L. Köllner, 2004

Historischer Abriss

Ruhla

1910
Gründung der Firma. Der Chef vom Gaswerk, Herr Nadolski, hatte einen Bruder namens Koch. Besagter Koch gilt als der Gründer der Firma „Koch & Co." --> Co. soll ein amerikanischer Investor gewesen sein. Eine Zweitfirma von „Koch & Co.“ gab es in Wald-Michelstadt im Odenwald (Hessen), diese existiert nicht mehr. Verarbeitet wurden Altpappe, Altpapier und Lumpen zu verschiedensten Papparten.

Die Firma "Koch und Co." hatte einen Gleisanschluss (Feldbahnanschluss), um Rohstoffe und Fertigprodukte zu transportieren. Zwischen 15 bis 20 Beschäftigte gab es. Für seine Arbeiter organisierte Koch regelmäßige Sommerfeste. Prokurist war ein Herr Teilich, Nachkommen von Teilich ist die Fam. Konhäuser.

Die erste Energieversorgung erfolgte über ein Wasserrad, es wurde später durch eine Pelton-Turbine ersetzt, das hohe Gefälle macht es möglich. Zusätzlich wurde noch eine Dampfmaschine zur Energieversorgung genutzt. Statt Turbine und Dampfmaschine als Industriedenkmal zu nutzen, wurden beide nach der Wende verschrottet.

Nach der Weltwirtschaftskrise erreichte die Produktion ihren Höhepunkt bis zum Ende der Nazizeit. Produziert wurden Hartpappen bis 6 mm, Dichtungsscheiben, Vulkanfiber für Koffer und andere Behältnisse. Hinter der Fabrik wurden während des Krieges Luftschutzbunker in den Berg getrieben.

nach 1945
wurde die Fabrik vom Uhrenkombinat Ruhla übernommen. Es erfolgte ein hinterer Anbau für das UWR Gebäude Nord. Parallel waren im Bau untergebracht: eine Wäscherei, die Bauabteilung, die Maschinenreparatur und auch der GST-Stützpunkt von UWR.  Zirka 30 Beschäftigte gab es im Gebäude. Letzter Chef war ein Herr Schleicher. Die Leitung der Bau- und Reparaturabteilung hatten ein Herr Gärtner und Herr Freyboth.

Um 1990
endete der Betrieb. Das Gebäude wurde nach einigen Jahren Leerstand abgerissen.

 

(Leider konnten von allen Befragten keine konkreten Jahreszahlen angegeben werden)

Weitere Pappenfabriken

Neben der Pappenfabrik Koch gab es noch zahlreiche weitere Betriebe in Ruhla, die Verpackungen für die stetig wachsenden Industriegüter herstellten:

Kartonagen Eppelin, später Kartonagen Seyfried


Historischer Abriss

1847
August Eppelin fängt mit einer Etuimacherwerkstatt an.

1890
Der Sohn Bernhard Eppelin wandte sich Ende der 1880er Jahre der Herstellung von Verpackungskartons zu und gründet die Kartonagenfabrik.

1911
wurde ein neues Grundstück gekauft und die neue Firma gebaut, die heute noch Firmensitz ist.

1912
übernahm Sohn Walter den Betrieb.

1919
kam Bruder Paul hinzu und die „Kartonagen- und Faltschachtelfabrik P. & W. Eppelin“ wurde gegründet.

1952
Die Kinder von Paul Eppelin führen das Geschäft weiter.

1967
übernimmt der Enkel von Paul Eppelin, Diethard Eppelin, die Leitung der Produktion und er ist sogleich der Geschäftsführer.

2012
tritt Andreas Seyfried in das Geschäft ein, er führt gemeinsam mit Diethard Eppelin die Kartonagenfabrik.

2012
am 01.05. Eröffnung des Unternehmens „Kartonagen-Andreas-Seyfried“


Quelle: www.kartonagen-andreas-seyfried.de