VEB Fahrzeugelektrik Ruhla (FER)

Standort: 50°53'01.0"N 10°22'44.0"E

In welchen Westautos wurde die Fahrzeugelektrik aus Ruhla verbaut?

Der VEB Fahrzeugelektrik Ruhla vereinigte alle produzierende Betriebe der Fahrzeugelektrikbetriebe der DDR. In bis zu 50 Länder wurde exportiert. Viele Fahrzeugelektrikteile wurden in Autos wie Seat, Peugeot, Citroen oder VW verbaut.

Autos mit Fahrzeugelektrik aus Ruhla

Historischer Abriss

Ruhla

1958
Zusammenschluss der „VEB Elektrische Fahrzeugausrüstung Ruhla“ mit den „VEB Auto- und Fahrradelektrik Eisenach“ zum „VEB Fahrzeugelektrik Ruhla“ (FER). Im selben Jahr begann nach beispielgebender Einführung im Betrieb FER, der polytechnische Unterricht in den Allgemeinbildenden Oberschulen und damit die Durchführung des Unterrichtstages in der Produktion.

1965
Übernahme des Lehrwerkes und der Betriebsberufsschule. Die Jahresproduktion liegt bei 102 Mio. Mark mit 2.800 Beschäftigten.

1968
am 01.06. wird das 100-jährige Bestehen der Firma gefeiert, mit Betriebsangehörigen, Freunden und Partnern im In- und Ausland.

am 01.10. erfolgt die Vereinigung aller Fahrzeugelektrik produzierenden Betriebe der DDR zum „VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla“.

1969
wurde der „VEB Metallwarenfabrik Ruhla (MEWA) dem Kombinat Fahrzeugelektrik zugeordnet. Mit dem VEB MEWA kam auch die ehemalige Firma „Albert Winkler Ruhla“ zum VEB FER, deren Gebäude wurden zu Behindertenwerkstätten umfunktioniert.  Im September selbigen Jahres wurde die BBS-Sportstätte „Hans Beimler“ eingeweiht. Im Oktober 1969 wurde das „Haus der Fahrzeugelektriker“ am Kirchberg mit 45 Hotelbetten, 90 Restaurant- und 50 Barplätzen, mit Saal, Schulungs-, Sitzungs- und Klubräumen feierlich eröffnet. Ebenfalls 1969 wurde das „Stadion der Fahrzeugelektriker“ auf der Mittelwiese eingeweiht.

1972
sind weitere kleinere Ruhlaer Firmen als Zulieferbetriebe dem Kombinat FER angegliedert worden.

1978
kommen zum Kombinat FER die Betriebe: „VEB Grubenlampe Zwickau“, „Berliner Akkumulatoren- und Elementefabrik“, „Batterie- und Elementefabrik Tabarz“, „Akkumulatorenbau Gröningen“und „Akkumulatorenwerk Sehma“.

1980
wurde die 1958 erbaute und 1964 erweiterte „Bermerhütte“ durch den Betrieb neu gebaut.

1983
Schaffung eines gemeinsamen Betriebsambulatoriums von FER und ERU (Elektroinstallation Ruhla) in der damaligen Villa mit verschiedenen Abteilungen, auch für die Bürger der Wohnbezirke 3 und 4 eingerichtet.

Ruhla

 

1989
Auf vollen Touren produzierend und mit voller vertraglicher Bindung für ihre Erzeugnisse kam für das Kombinat FER die politische Wende.

1990
folgten zahlreiche Entlassungen. Der Betrieb kam unter Treuhand-Verwaltung. Mit der „Robert-Bosch-GmbH“ kam es zum Abschluss eines Kooperationsvertrages, FER wurde in eine GmbH umgewandelt.

1992
erfolgte die Privatisierung des Betriebes mit 571 Beschäftigten durch MBO (Management-Buy-out = Kauf eines Unternehmens durch seine Leitung).

1994
zog die FER GmbH in ein neues Fertigungsgebäude nach Stockhausen bei Eisenach, das Werk verabschiedet sich von Ruhla.

1995
erfolgt der Abriss der ehemaligen Firmengebäude, mit der erhofften Neuansiedlung auf dem Abrissgelände Käthe-Kollwitz-Straße 18 ist nichts geworden.

2004
Die „FER GmbH Stockhausen“ ist inzwischen 100%-ige Tochter der „Truck-Lite/USA“.

2008
Der neue Name ist „Truck-Lite Europe G.m.b.H.“

 

Quelle: Lotar Köllner: „Mi Ruhl, mi Heimet“ , 3. Band

Kombinat FER - Bereich Technik

Mit der Entwicklung des Stammbetriebes Fahrzeugelektrik Ruhla mit den Betrieben in Ruhla, Eisenach, Brotterode und Gumpelstadt entstanden in den 60erJahren aus der ehemaligen Firma Lux eine Reihe zentraler Bereiche, die mit der Kombinatsbildung 1968 noch erweitert wurden. Neben der baulichen Erweiterung wurde noch ein zweigeschossiger Industrieneubau errichtet, der als F/E-Gebäude (Forschung & Entwicklung) bekannt war. Die gesamte Struktureinheit trug den Namen Bereich Technik.

In Spitzenzeiten zwischen 1970 und Mitte der 1980er Jahre arbeiteten hier bis zu 160 Beschäftigte. Das waren größtenteils Ingenieure, Techniker, kaufmännisches Personal und Werkzeug-Musterbauer/ Elektriker/ Elektroniker.

Die zentralen Strukturen umfassten:

Den Sitz des Direktor für Technik mit:
Bereich Technische Planung, Konstruktion (Musterbau, E- Labor/ Anpassung, Zentrale Information, Bereich Standardisierung, Patentwesen/Lizenzen, Zentrales BfN (Büro für Neuerwesen) und internationale Zusammenarbeit)

Zentrale Technologie mit Schwerpunkt Technologische Planung: (Konstruktion und Werkzeugbau für, Plastspritzwerkzeuge)

Bereich zentrale Hauptmechanik: (Grundfondswirtschaft - Investitionen, Instandhaltung/Aussonderung, Bereich Energetik, Zentrale Bauabteilung)

Sitz des Direktors für Produktion

Sitz des Direktors für Materialwirtschaft

Zentrale TKO: (Qualitätssicherung - Außenstelle des ASMW - SQI, einschließlich Prüf- und Zuverlässigkeitslabor)

Mit der weiteren Entwicklung des „Großkombinates“ FER, durch die Eingliederung aller Betriebe des ehemaligen Kombinates Grubenlampe Zwickau in den mittleren 80er Jahren, wurden zunehmend Struktureinheiten verlagert. Aus dem Bereich Technik wurde teils nach Eisenach in das neue Verwaltungsgebäude des Kombinates in der Fritz Erbe Straße, teils in das aus der ehemaligen MEWA gebildeten Forschungszentrum in der Carl-Gareis-Straße Ruhla umstrukturiert.

Mit der Abwicklung des Kombinates FER verschwand nach der Wende auch der „Bereich Technik“ und das relativ neue, F/E Gebäude wurde abgerissen.

Quelle: Alt-Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler