Gebrüder Jung Von den "Gebrüdern Jung" zum VEB GLÜSO und dem VEB Narva

Standort: 50°53'00.9"N 10°22'35.5"E

Für welches Produkt könnte der Firmenname "Glüso" stehen?

1954 wurde die "Metallwarenfabrik Gebrüder Jung" dem Glüso-Werk Tambach-Dietharz zugeordnet.

"Glüso" bedeutet Glühlampen-Sockel.

Die Firma stellte zahlreiche Glühlampensockel für Taschenlampen, Fahrräder, Motorräder, PKWs und LKWs her. Diese waren das Hauptprodukt der Firma.

 

Zeitzeugenbericht

"Am Dornsenberg 34, wo ich meine Kindheit und Jugendzeit verbrachte, lebten wir in bester Nachbarschaft mit Herrn und Frau Borbe. Frau Auguste Borbe, geb. Jung hatte noch Besitzanteile der Metallwarenfabrik Gebrüder Jung. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Betrieb durch Ihren Mann, Hugo Borbe, bis Mitte der 60-er Jahre als Komplementär weitergeführt. Der Betrieb bestand damals aus dem hinter dem Wohnhaus stehendem Fachwerkbau sowie rechts daneben zwei Garagen, in denen Bakelitpressen betrieben wurden. Wo heute der Neubau steht , waren Rasen- und Gartenflächen. Im Erdgeschoss des Fachwerkbaus befand sich die Galvanik. Im ersten und zweiten Geschoss waren die Produktionsräume mit alten, aber gut funktionierenden Maschinen. In der ersten Etage war in einem kleinen Raum das Büro mit einem urtümlichen Stehpult untergebracht. Aufgrund der guten Nachbarschaft durfte ich während der Ferien im Betrieb kleinere Arbeiten verrichten, um mir etwas selbst für meine Sparbüchse zu verdienen. Ich war damals noch keine 14 Jahre alt."

Herr Stein

Historischer Abriss

Ruhla

1907
Berthold Jung gründet die Firma Am Mühlrain 2 (heute Forststraße 28). Später kam sein Bruder Ulrich hinzu. Alsbald wurde die Firma Metallwarenfabrik Gebrüder Jung genannt. Produkte waren Haushalts- und Küchengeräte wie Flaschenausgießer, Tee- und Kaffeesiebe, Zigarrenabschneider sowie Schwachstromartikel.

1937
30-jähriges Firmenjubiläum mit Berthold und Ulrich Jung.

nach dem 2.Weltkrieg
ist der Betrieb durch den Komplementär Hugo Borbe weitergeführt worden, dessen Frau Auguste, geb. Jung, Besitzanteile hatte, bis zur Aufnahme einer staatlichen Beteiligung von mehr als 50%, Mitte der 1960er Jahre.

1954
wurde der Betrieb dem Glüso-Werk Tambach-Dietharz zugeordnet.
Glüso = Glühlampen-Sockel für Taschenlampen, Fahrräder, Pkw und Lkw.

1965
halbstaatlicher Betrieb mit neuem Betriebsleiter; Abbau der Transmissionen, Bestückung der Maschinen mit Einzelmotoren, Rekonstruktion der Produktionsräume.

1972
Totalverstaatlichung, Umwandlung in „VEB Elektrometall, Ruhla“. Ein Neubau mit Pressen und neuer Galvanik folgte. Glühlampensockel für Fahrzeuge blieben weiter Hauptprodukt.

1974
Nach der Gründung des Kombinates NARVA wurde die Firma diesem Kombinat unterstellt und wurde so zum „VEB NARVA, Betriebsteil Ruhla“.
NARVA: N=Stickstoff, AR=Argon, VA=Vakuum

Die Produktpalette blieb erhalten wie Sockel für Fahrrad-, Motorrad-, Pkw- und Lkw-Beleuchtung. (Bilux, H3, H4, u. v. m.)

1990
Nach der Wende wurde der Betrieb stillgelegt und aufgelöst.

1994
Hagen Büchner übernimmt das Objekt zur Betreibung einer Autowerkstatt, die alten Fabrikgebäude wurden Abgerissen, im Neubau wurden Wohnungen eingerichtet.

 

Quellen: Lotar Köllner: „Mi Ruhl, mi Heimet“, 3. Band
Eigene Recherchen